Südstadtklinikum als drittes Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung in Mecklenburg-Vorpommern zertifiziert


Seit Ende des Jahres gibt es in Mecklenburg-Vorpommern drei Endoprothetikzentren der Maximalversorgung (EPZmax) für Patienten, die auf ein künstliches Gelenk angewiesen sind; zwei davon in der Universitäts- und Hansestadt Rostock. Dazu gibt es seit fünf Jahren eine einzigartige Kooperation zwischen der Universitätsmedizin Rostock und dem Klinikum Südstadt Rostock zur Zusammenarbeit der beiden Endoprothetikzentren.


„Seit 2014 trägt das Klinikum Südstadt bereits das Gütesiegel als Endoprothetikzentrum. Jetzt wurden wir als erste nicht universitäre Einrichtung in MV auch als Zentrum der Maximalversorgung ausgewiesen“, informierte der Leiter des Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung am Südstadtklinikum, Prof. Dr. Philipp Bergschmidt. „Diese positive Entwicklung verdanken wir auch der engen Zusammenarbeit mit der Universitätsmedizin Rostock unter der Leitung des Direktors der Orthopädischen Klinik der Unimedizin Rostock, Prof. Dr. Wolfram Mittelmeier.“
Ein drittes Zentrum dieser Art ist in MV an der Universitätsmedizin Greifswald angesiedelt. Die Experten am Endoprothetikzentrum verfolgen das Ziel, Patienten mit Arthrose am Hüft- und Kniegelenk optimal zu behandeln, die Lebensqualität zu verbessern sowie Komplikationen nach der Implantation eines künstlichen Gelenkes zu vermeiden. Jährlich werden in Deutschland über 400.000 Kunstgelenke implantiert. Das betrifft etwa 230.000 Hüftgelenke, 180.000 Kniegelenke sowie 24.000 Schultergelenke. Über vier Millionen Menschen haben allein in Deutschland bereits ein künstliches Gelenk.

Verschleiß als Hauptursache für Gelenkersatz
„Wir sehen uns nicht als Konkurrenten, sondern als Partner im Interesse der Patienten“, betonte der erfahrene Universitätsprofessor Wolfram Mittelmeier. „Unsere Hauptoperateure stehen im intensiven Austausch und unterstützen sich gegenseitig in medizinischen Fragestellungen oder bei logistischen Herausforderungen, wenn beispielsweise eine bestimmte Prothese nicht vorhanden oder lieferbar ist“, so der Klinikdirektor. Weitere Schwerpunkte der Kooperation sind gemeinsame Forschungsprojekte und die Ausbildung des Ärztenachwuchses. „Die Konzentration von zwei Kompetenzzentren in der größten Stadt des Landes ist gut für Rostock, für MV und alle Patienten, die bei gesundheitlichen Problemen zuverlässige Hilfe und gesicherte Qualität in unseren Kliniken suchen. Insofern trägt unsere inzwischen fünf Jahre währende Zusammenarbeit viele Früchte und hat absoluten Vorbildcharakter“, so Mittelmeier.

Im Jahr 2015 hat Prof. Dr. Philipp Bergschmidt von der Universitätsmedizin Rostock kommend als Leitender Oberarzt für die Becken-, Hüft- und Kniechirurgie das Endoprothetikzentrum am Südstadtklinikum übernommen und kontinuierlich weiterentwickelt. In diesem Zeitraum haben sich die jährlichen Fallzahlen auf rund 500 endoprothetische Patienten verdoppelt. Im vergangenen Jahr erhielten am Klinikum Südstadt 296 Frauen und Männer eine neue Hüfte und 127 ein künstliches Kniegelenk. Dazu kamen 77 Wechsel-Operationen, bei denen bereits implantierte Gelenke ausgetauscht worden sind sowie 50 Schulterendoprothesen und Arthroskopien, Bandplastiken und Eingriffe nach einer Fraktur. Maximal 15 bis 20 Prozent der Operationen jährlich erfolgen nach einem Unfall, alle anderen gehen hauptsächlich auf Verschleißerscheinungen (Arthrose) zurück. Arthrose ist die weltweit häufigste Gelenkerkrankung, die durch die Abnutzung des schützenden Knorpels verursacht wird. Meistens tritt eine Arthrose an Knie, Hüfte, Schultergelenken, Händen und Fingern sowie an den Füßen auf. Sie bereitet Betroffenen oft große Schmerzen und macht das Gelenk steifer und damit auch weniger beweglich. Über 90 Prozent der Gelenkbeschwerden und Gelenkschwellungen können jedoch ohne Operation erfolgreich behandelt werden.
„Ausschlaggebend für die Entscheidung eines Gelenkersatzes sind das Ausmaß der Funktionseinschränkungen durch den Gelenkverschleiß und der Leidensdruck durch die Schmerzen“, erläuterte Bergschmidt. „Beim Alter sind kaum noch Grenzen gesetzt, da spielt der allgemeine Gesundheitszustand, die Erfolgsaussichten und die mentale Verfassung des Betroffenen eine große Rolle. Gerade vor kurzem haben wir einer sehr agilen 92-jährigen Frau eine neue Hüfte eingesetzt. Unsere Ziele liegen hauptsächlich in der Verbesserung der Lebensqualität und der Mobilität.“
Dabei profitieren die Patienten von den Fortschritten in der medizinischen Implantattechnologie. „Als kommunales Krankenhaus können wir selbst entscheiden, mit welchen Anbietern wir zusammenarbeiten möchten“, hob der Chirurg hervor. Das ist ein enormer Vorteil.“ Hüftgelenke halten inzwischen durchschnittlich 18 bis 20 Jahre und Knieprothesen ca. 15 Jahre.
Hintergrund Prof. Dr. Philipp Bergschmidt
Zum 25. Januar 2021 wurde Dr. Philipp Bergschmidt zum Professor ernannt. Der gebürtige Berliner hat an der Universität Rostock Medizin studiert und dort 2008 promoviert und 2013 habilitiert. Nach beruflichen Stationen an der Universitätsmedizin Rostock, der Chirurgischen Klinik Ahrensburg und dem Klinikum Südstadt Rostock wechselte der Vater eines Sohnes 2015 fest an das Südstadtklinikum und übernahm dort die Leitung des Endoprothetikzentrums sowie der Becken-, Hüft- und Kniechirurgie. Seit 2005 engagiert sich der 43-Jährige als Forschungsassistent und seit 2015 als Gastwissenschaftler im Forschungslabor für Biomechanik und Implantattechnologie Rostock (FORBIOMIT) und ist an mehreren Forschungsprojekten beteiligt. Jeweils 30 Semesterstunden widmet der Orthopäde und Unfallchirurg darüber hinaus der Ausbildung des medizinischen Nachwuchses an der Universität Rostock.
Hintergrund Zertifizierung als Endoprothetikzentrum
Seit Ende 2012 können sich deutschlandweit Kliniken von der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) zertifizieren lassen – entweder als Endoprothetikzentrum oder als Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung. Als EPZmax gewährleistet das Klinikum, dass an jeder Gelenkersatzoperation ein sogenannter Hauptoperateur beteiligt ist. Hauptoperateure müssen eine Mindestanzahl an Endoprothetik-Operationen pro Jahr vorweisen und so ihre herausragende Expertise auf diesem Gebiet belegen. Die Patienten können sich somit darauf verlassen, dass sie von erfahrenen Profis behandelt werden. Das für drei Jahre gültige Zertifikat belegt außerdem, dass das Zentrum die durch die Fachgesellschaft aufgestellten hohen Qualitätsanforderungen erfüllt. Auch hat sich die Klinik verpflichtet, die Behandlungsergebnisse ihrer Endoprothetik-Operationen konsequent zu überprüfen, Komplikation zu erfassen und sich am Endoprothesenregister Deutschland (
www.eprd.de) zu beteiligen. Weitere Informationen unter www.endocert.de

Fotos: Joachim Kloock

Rostocker Kooperation –
Prof. Dr. Wolfram Mittelmeier (re.) und Prof. Dr. Philipp Bergschmidt setzen auf Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung (hier symbolisch mit künstlichem Hüftgelenk). Seit mehr als fünf Jahren besteht die Kooperation der beiden Endoprothetikzentren. Davon profitieren in erster Linie die Patienten.

Prof. Dr. Philipp Bergschmidt leitet in der Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Handchirurgie am Klinikum Südstadt seit fünf Jahren das Endoprothetikzentrum, jetzt in der höchsten Stufe der Maximalversorgung.

Wolfgang Semkat (68) erhielt am 27. Januar eine Knie-Vollprothese. Acht Jahre litt der frühere Industriemechaniker unter seinen Kniebeschwerden. Nach der Operation trainierte der Rostocker fleißig mit den Physiotherapeuten oder einer automatischen Bewegungsschiene (Foto), um schnell wieder mobil zu werden.

Gerhard Ebert (73) hat am 27. Januar eine künstliche Hüfte eingesetzt bekommen und ist Tage später schon gut allein unterwegs. Der Bad Doberaner freut sich jetzt vor allem auf seine drei Enkel. Nach durchschnittlich sieben Tagen verlassen die Patienten nach einer Gelenkoperation die Klinik. In der Regel schließt sich eine Reha-Kur an. Diese wird mit guten Ergebnissen immer öfter ambulant wahrgenommen.


Klinikum Südstadt Rostock
Eigenbetrieb der Hanse- und Universitätsstadt Rostock
Südring 81, 18059 Rostock
Verwaltungsdirektor: Steffen Vollrath
Ärztlicher Direktor: Prof. Dr. Jan Roesner
Pflegedirektorin: Sylvia Waterstradt


www.kliniksued-rostock.de
www.facebook.com/KlinikumSuedstadtRostock