Mit künstlicher Intelligenz und notfalls durch die Wand – moderne Videoendoskopie ermöglicht Spitzenmedizin

Der Rostocker Mediziner PD Dr. Jörn Bernhardt ist neuer Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Endoskopie und Bildgebende Verfahren e.V. (DGE-BV). Der Leiter der Abteilung für Diagnostische und Interventionelle Endoskopie am Klinikum Südstadt Rostock hat die Präsidentschaft auf dem 50. Jahreskongress der DGE-BV vom 8. bis 10. April 2021 übernommen. Der gebürtige Greifswalder ist erst der dritte Präsident aus den neuen Bundesländern.
Auch der Jubiläumskongress zum 50jährigen Bestehen der Fachgesellschaft mit mehr als 2.000 Teilnehmern musste angesichts der aktuellen Coronalage virtuell ausgetragen werden. „Unsere große Hoffnung ist, dass wir den 51. Jahreskongress unter dem Titel „Konstanz in der Dynamik“ im Mai 2022 in Potsdam wieder als Präsenzveranstaltung durchführen können“, so PD Dr. Jörn Bernhardt. „Auch wenn es viele Alternativen für den wissenschaftlichen Diskurs sowie die Aus- und Weiterbildung gibt, brauchen wir den direkten Austausch und die Praxiskurse vor Ort, zumal sich unser Fachgebiet rasant weiterentwickelt und aus der Spitzenmedizin nicht mehr wegzudenken ist.“

Schonende und minimalinvasive Verfahren
Mitglieder der interdisziplinäre Fachgesellschaft sind Gastroenterologen und Chirurgen, aber auch Radiologen, Pneumologen, HNO-Ärzte, Pathologen und Ingenieure. Die moderne gastrointestinale Endoskopie ist gekennzeichnet durch eine hocheffiziente Diagnostik und weitreichende Therapieverfahren. In der Diagnostik kommen hochauflösende Videosysteme zum Einsatz, welche durch lokale oder virtuelle Färbetechniken unterstützt werden. Das Erkennen von krankheitsbedingten Strukturen im Körper wird in zunehmenden Maße von Entwicklungen der künstlichen Intelligenz unterstützt. Mittels spezieller Programme können Veränderungen oftmals schneller und besser als mit menschlichen Sinnen festgestellt werden.
„In der Therapie hat sich die Endoskopie in den letzten Jahren eine Vielzahl neuer Möglichkeiten in allen Abschnitten des Magen-Darmtraktes erschlossen und ist in Bereiche minimalinvasiver Chirurgie vorgedrungen“, erläuterte PD Dr. Jörn Bernhardt. „So können neben den klassischen Entfernungen gutartiger oder teilweise auch bösartiger Schleimhautwucherungen auch Tumore in der Speiseröhren-, Magen- oder Darmwand behandelt werden. Auch werden zahlreiche Eingriffe in der Wand des Magen-Darmtraktes vorgenommen, wie beispielsweise die endoskopische Therapie der Enge der unteren Speiseröhre. Letztlich stellt auch die Wand keine Barriere für die Therapie mehr da, so gelingt es inzwischen auch, durch die Magenwand entzündliche Prozesse der Bauchspeicheldrüse zu therapieren.“
Für alle diese Verfahren hat es eine Vielzahl neuer technischer Entwicklungen gegeben, aber auch die Endoskope werden ständig weiterentwickelt. So gibt es unter anderem hochauflösende Miniaturendoskope zur besseren Untersuchung der Gallengänge.

PD Dr. Jörn Bernhardt (61) hat in Leipzig und Greifswald Humanmedizin studiert. Seine beruflichen Stationen führten über die Universitätsmedizin Greifswald und einen Forschungsaufenthalt im Department of Microbiology and Immunology an der Georgetown University in Washington, D.C. 2003 an das Klinikum Südstadt Rostock. 2006 habilitierte der Chirurg und langjährige FOCUS-Topmediziner. Am größten kommunalen Klinikum in MV leitet er seit 2007 die Abteilung Diagnostische und Interventionelle Endoskopie.

 

Porträtfoto PD Dr. Jörn Bernhardt: Danny Gohlke
PD Dr. Jörn Bernhardt hofft auf eine Austragung des 51. Jahreskongresses im kommenden Jahr in Potsdam. „Das Ziel der Jahrestagung ist es einerseits den technischen Fortschritt vorzustellen, die Verfahren zu diskutieren sowie Erfahrungen auszutauschen, andererseits hat die Ausbildung und Förderung junger Mediziner einen festen Stellenwert. So gibt es neben den wissenschaftlichen Sitzungen auch zahlreiche Ausbildungskurse zu Verfahren der Endoskopie, Sonographie und begleitender Techniken.“