Münster, 30. April 2021 Rolf Wiesendahl fühlte sich im März noch gut und gesund. Lediglich Probleme mit der Verdauung beschäftigen ihn seit vielen Jahren. Alle fünf Jahre geht er deswegen zur Darmkrebsvorsorge. Für ihn war es keine Frage, auch während der Corona-Pandemie seinen Vorsorgetermin wahrzunehmen. Im Vorgespräch erzählte er dem Arzt, dass er in den zurückliegenden Jahren öfter Probleme mit einem sogenannten „Reflux“ hatte. Hierbei kommt es zum Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre. Der niedergelassene Gastroenterologe entschied, neben der Darm- auch eine Magenspiegelung durchzuführen. Das hat dem 62-Jährigen das Leben gerettet: Der Arzt entdeckte ein Krebsgeschwür in der Speiseröhre und überwies seinen Patienten ins St. Franziskus-Hospital Münster.

Hier führten die Mediziner zur weiteren Abklärung eine Computertomografie durch. Die Untersuchung zeigte, dass der Krebs früh genug entdeckt wurde und noch nicht gestreut hatte. Gleichzeitig fanden die Ärzte zwei große Aneurysmen der Hauptschlagader und der Beckenarterien. Diese hatten bisher keine Beschwerden verursacht und wären ohne die CT-Aufnahmen vermutlich noch länger unentdeckt geblieben. Das Gefährliche daran: Ab einer bestimmten Größe droht ein Riss, der lebensbedrohlich sein kann. Die beiden Chefärzte PD Dr. Martin Austermann (Gefäßchirurgie) und Prof. Dr. Matthias Brüwer (Chirurgie) stimmten das operative Vorgehen eng ab. Zunächst versorgten die Gefäßchirurgen die Aneurysmen. „Wir mussten diese zuerst operieren, damit sie nicht während der aufwendigen Tumorentfernung platzen“, erklärt PD Dr. Austermann. Er setzte minimal-invasiv zwei Y-Endoprothesen von den Leisten aus ein. Nach viertägiger Regeneration entfernten die Chirurgen dann den Speiseröhrenkrebs. „Diese Operation gehört zu den anspruchsvollsten in unserem Fachgebiet und wird nur in spezialisierten Zentren durchgeführt. Bei dieser mehrstündigen Operation werden Teile des Magens und der Speiseröhre samt dem umliegenden Lymphgewebe entfernt und im Anschluss beides durch Bildung eines Schlauches aus dem verbleibenden Restmagen verbunden“, berichtet Prof. Dr. Brüwer.

Rolf Wiesendahl hat beide Eingriffe gut überstanden: „Ich bin sehr glücklich, dass beide Erkrankungen rechtzeitig erkannt und ich optimal im Franziskus Hospital behandelt wurde“, sagt er. Große Einschränkungen hat er nicht zu befürchten. „Er muss zwar noch etwas Geduld aufbringen, bis er wieder richtig fit ist und seine Ernährung auf mehrere kleine Portionen umstellen. Ansonsten kann er sein Leben aber ganz normal weiterführen“, so Prof. Dr. Brüwer. Die weiteren engmaschigen Kontrolltermine wird der gebürtige Hammer selbstverständlich wahrnehmen. Sein Beispiel zeigt eindrücklich: Vorsorgeuntersuchungen und Arzttermine sollten nicht aufgeschoben werden – auch nicht in Zeiten von Corona. Je früher eine Erkrankung erkannt wird, desto besser sind oftmals die Heilungs- und Überlebenschancen.

Bildunterschrift: Dank eines Zufallsbefundes bei einer Vorsorgeuntersuchung konnten PD Dr. Martin Austermann, Chefarzt der Gefäßchirurgie des St. Franziskus-Hospitals (l.), und Prof. Dr. Matthias Brüwer, Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie (r.), das Leben von Rolf Wiesendahl retten.