Wenn die Mund-Nasen-Maske zum Hindernis wird

Welttag des Hörens / HNO-Klinik verteilt Pins für Hörgeschädigte

Rostock – Am 3. März ist Welttag des Hörens, den die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ins Leben gerufen hat. Die Rostocker Klinik und Poliklinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie „Otto Körner“ der Unimedizin Rostock nimmt den Tag zum Anlass, um auf die Probleme und Bedürfnisse von hörgeschädigten Menschen aufmerksam zu machen. „In der aktuellen Coronapandemie haben es Hörgeschädigte schwer, mit anderen Menschen zu kommunizieren, gerade wenn ihr Gegenüber eine Mund-Nasen-Maske trägt – dann wird das Lippenablesen unmöglich“, erklärt Prof. Dr. Robert Mlynski, Direktor der HNO-Klinik. Aber viele Hörgeschädigte verlassen sich auf das Mundbild ihres Gegenübers. „Damit die Betroffenen in der Öffentlichkeit besser wahrgenommen und auf ihre Beeinträchtigung Rücksicht genommen wird, verteilen wir seit Kurzem kostenfreie Pins mit dem internationalen Zeichen für Hörbehinderung und Gehörlosigkeit“, erklärt Oberärztin Dr. Wilma Großmann und Leiterin des Hörzentrums Nord-Ost am Standort Rostock. „Wir möchten den Betroffenen damit die Möglichkeit bieten, ihre Einschränkung sichtbar zu machen. Das vereinfacht die Kommunikation für beide Seiten“, erklärt Promovendin Anna von Düring. Von ihr stammt die Idee, für die sie sich beim Deutschen Schwerhörigenbund e. V. Rat geholt hat.

Die Anstecker in orange, grün oder blau in zwei verschiedenen Größen haben einen Magnetverschluss und können ohne störende Nadellöcher an der Kleidung angebracht und wieder entfernt werden. „Viele Betroffene wollen eigentlich ihre Beeinträchtigung für sich behalten, doch die Pandemie macht es häufig nötig, dass sie sich offener zu erkennen geben müssen“, erläutert Großmann. In einem Flyer stellen die HNO-Ärzte die Idee vor und bieten ihren Patienten den Pin an. „Mit diesem Angebot wollen wir einen kleinen Beitrag dafür leisten, dass es unsere Patienten im Alltag leichter haben“, erergänzt Düring. Die ersten Exemplare sind bereits verteilt und kommen bei den Patienten sehr gut an. Die orangefarbenen Pins haben es ihnen besonders angetan, weil sie auf der noch winterlichen Kleidung gut zu erkennen sind.

Rund 16 Prozent der Bevölkerung leiden an einer Hörschädigung, fünf Prozent davon schwer. Eine Hörschädigung oder Gehörlosigkeit ist für andere nicht sichtbar. Die Betroffenen wollen sich nicht ständig erklären, schämen sich eventuell für ihr Handicap. Sie ziehen sich zurück, das soziale Umfeld wird kleiner, Depressionen nehmen zu. Diese Verläufe beobachtet Dr. Wilma Großmann immer wieder. „Dabei gibt es viele Mittel und Wege, die eine Verbesserung bewirken können und das ist nicht immer eine große Operation, vor der sich gerade ältere Patienten fürchten“, erklärt die HNO-Ärztin. Im Hörzentrum Nord-Ost arbeiten die Fachärzte mit niedergelassenen Ärzten und Hörakustikern und Therapeuten Hand in Hand, um für alle Patienten eine maßgeschneiderte Lösung zu finden.

Mehr Infos zum Hörzentrum: http://hörzentrum-nordost.de/

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Bildunterschrift 1: Dr. Wilma Großmann mit dem orangen Pin. Der kommt bei den Betroffenen besonders gut an.
Bildunterschrift 2: Anna von Düring hatte die Idee für die Aktion.
Bildquelle: Unimedizin Rostock