Studie bringt neue Erkenntnisse zu den Ursachen von Hämorrhoiden
Unimedizinen Rostock und Schleswig-Holstein identifizieren erstmals Risikogene

DNA-Analysen von fast einer Million Menschen ermöglichen internationalem Forschungsteam unter Beteiligung der Universitätsmedizin Rostock und des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Kiel, Einblicke in die bisher kaum erforschte Volkskrankheit, dem Hämorrhoidenleiden. Ihre Ergebnisse haben sie nun in der renommierten Fachzeitschrift Gut veröffentlicht.

Hämorrhoiden sind blutgefüllte Polster am Ende des Verdauungstraktes, die dazu dienen, den After zu verschließen und den Stuhlgang zu kontrollieren. Umgangssprachlich bezeichnet man mit Hämorrhoiden die krankhafte Vergrößerung und Ausstülpung der Polster. Dabei schwellen die Hämorrhoiden an, was zu Juckreiz, Brennen und Blutungen führen kann und den Alltag massiv einschränkt. Zu möglichen Risikofaktoren zählen vermehrtes Sitzen, Übergewicht, ballaststoffarme Ernährung, übermäßig lange Toilettengänge oder zu starkes Pressen sowie das Heben von schweren Gegenständen. Allerdings gibt es bisher dazu keine eindeutigen wissenschaftlichen Erkenntnisse.

Die Forscher haben Erbinformationen von 218.920 Patienten mit Hämorrhoidalleiden und 725.213 Vergleichspersonen untersucht und griffen auf eingelagerte Proben zurück. Durch die Analysen konnten sie sogenannte Risikogene identifizeren. Bisher war noch nicht bekannt. Zusätzlich haben die Forscher Zellen aus Hämorrhoiden-Gewebeproben analysiert, die bei Operationen entnommen worden waren. Dabei haben sie die Proteinprodukte direkt im menschlichen Hämorrhoidalgewebe nachgewiesen und damit gezeigt, in welchen Bereichen die Risikogene aktiv sind. Dadurch konnten sie erstmals Hinweise darauf finden, welche Funktionen bei der Erkrankung möglicherweise gestört sind und zu den Symptomen führen. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Hämorrhoidalleiden zumindest teilweise aus einer Fehlfunktion der glatten Muskulatur, der Blutgefäße und des Bindegewebes in diesem Bereich resultiert. Damit haben wir erste Hinweise auf mögliche Krankheitsmechanismen dieser bisher so unzureichend charakterisierten Volkskrankheit. Langfristig könnte das bei der Entwicklung zusätzlicher nicht-invasiver Therapieoptionen helfen“, sagt Autor, Prof. Dr. Andre Franke, Direktor des Instituts für Institut für Klinische Molekularbiologie (IKMB), Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, Campus Kiel. „Bisher werden Hämorrhoidalleiden schwereren Grades überwiegend chirurgisch behandelt, also überschüssiges Gewebes entfernt. Ein besseres Krankheitsverständnis könnte zukünftig auch zur Entwicklung von Therapien beitragen, die direkt an möglichen Ursachen ansetzen“, sagt Projektmitinitiator, Prof. Dr. Clemens Schafmayer, Direktor der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Gefäß- und Transplantationschirurgie der Unimedizin Rostock.

Der Dekan der Universitätsmedizin Rostock, Professor Emil Reisinger, freut sich besonders, dass mit den Ergebnissen dieses Forschungsprojektes grundlegende neue Erkenntnisse zum Verständnis dieser Volkskrankheit gefunden wurden. „Das zeigt, dass man besonders erfolgreich ist, wenn klinische und Grundlagenforschung gemeinsam an Projekten arbeiten“, so Reisinger.

 

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