Die Universitätsklinik und Poliklinik für Innere Medizin IV am Universitätsklinikum Halle (Saale) bietet für Patientinnen und Patienten mit B-Zell-Lymphom, einer Form des Lymphdrüsenkrebses, die sogenannte CAR-T-Zell-Therapie an. T-Zellen sind bestimmte Abwehrzellen des körpereigenen Immunsystems und spielen in der Bekämpfung von Krebs eine große Rolle, weil sie Krebszellen erkennen und abtöten können. Diese moderne Therapieform steht nur an ausgewählten Zentren zur Verfügung, die über ausreichend klinische Erfahrung mit Zelltherapien verfügen. Das UKH ist eines dieser Zentren. „Auch in der aktuellen Corona-Pandemie behandeln wir unsere Patientinnen und Patienten und bieten diese Therapieform an“, sagt apl. Prof. Dr. Lutz Müller von der Klinik für Innere Medizin IV, der das CAR-T-Zell-Programm leitet.

„Bei vielen Krebspatientinnen und -patienten entziehen sich Tumorzellen den Angriffsversuchen einer konventionellen Chemo-Therapie. Dazu nutzen sie verschiedene molekularer Mechanismen. Allerdings konnten diese Mechanismen dank weltweiter Forschung, und auch der Forschung an der Universitätsmedizin Halle (Saale), in den vergangenen Jahren zunehmend entschlüsselt und neue Therapieansätze entwickelt werden“, erklärt Professorin Dr. Mascha Binder, Direktorin der Klinik für Innere Medizin IV. Die CAR-T-Zell-Immuntherapie gehöre zu diesen neuen Ansätzen, die sich vor allem dadurch auszeichne, eine personalisierte beziehungsweise individualisierte Medizin zu verfolgen. „Für die CAR-T-Zell-Therapie werden körpereigene T-Zellen der Patientin oder des Patienten entnommen, außerhalb des Körpers gentechnisch mit dem sogenannten Chimären Antigenrezeptor, kurz CAR, versehen, und dabei scharf geschaltet“, so die Fachärztin für Innere Medizin sowie Hämatologie und Onkologie, die seit Jahren in der immunologischen Krebsforschung aktiv ist.

Bevor eine Patientin oder ein Patient die im Labor hergestellten und vermehrten CAR-T-Zellen verabreicht bekommen kann, wird eine vorbereitende Chemotherapie durchgeführt. Damit sollen gute Bedingungen für die Vermehrung der Immunzellen im Körper geschaffen werden. Die danach mit einer einmaligen Infusion verabreichten CAR-T-Zellen sind darauf programmiert, die Tumorzellen aufzuspüren und sie effektiv und zielgerichtet zu bekämpfen. „Der Erfolg ist dann in einigen Wochen erkennbar. Bei bis zu 50 Prozent der Fälle führt diese Therapieform zu einer dauerhaften Zurückdrängung der Erkrankung“, sagt Müller. Neben der Zielgruppe der Lymphdrüsenkrebspatientinnen und -patienten soll die CAR-T-Zellen-Therapie perspektivisch auch für Blutkrebspatientinnen und -patienten Anwendung finden.

Diese Möglichkeit der Krebsbehandlung bieten in Deutschland nur wenige Standorte an. „Hier zeigt sich, dass medizinische Grundlagenforschung wesentlich ist, um am Ende neue Therapieformen in der Krebsbehandlung zu generieren und für die Patientinnen und Patienten anbieten zu können“, ergänzt Prof. Michael Gekle, Dekan der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle.

Für weitere Informationen erreichen Sie Prof. Dr. Mascha Binder oder apl. Prof. Dr. Lutz Müller am Uniklinikum Halle (Saale).

 

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Foto: Bei der CAR-T-Zell-Therapie werden eigene, entnommene und gentechnisch mit einem Antigenrezeptor versehene Stammzellen mittels einmaliger Transfusion wieder der Patientin oder dem Patienten verabreicht. Bildquelle: Universitätsmedizin Halle (Saale)