Forscher am Universitätsklinikum Bonn erhält Deutschen Neurodermitis Nachwuchspreis 2021

Bonn, 15. April 2021 – Makrophagen, Mast- und T-Zellen sind wichtige biologische Organisationseinheiten, die unser Immunsystem auf das Eindringen von Erregern oder ungewollte Zellveränderungen hinweisen. Sammeln sich davon aber zu viele als Cluster in unserer Haut an, kann ihre Aktivität vor allem das Ein- und Auswandern von Entzündungszellen aus dem Blut in die Haut befördern und die atopische Dermatitis – besser bekannt als Neurodermitis – auslösen. Für diese Erkenntnis wurde eine Studie von Priv.-Doz. Dr. Wenming Peng vom Universitätsklinikum Bonn mit dem Deutschen Neurodermitis Nachwuchspreis 2021 der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft ausgezeichnet.

Juckende, trockene Haut oder nässende und entzündete Bläschen im Gesicht und am Oberkörper – das kennen die Eltern eines jeden dritten bis sechsten Kleinkindes. Auch zwischen zwei und zehn Prozent der Erwachsenen sind von Atopischer Dermatitis (AD) – im Volksmund auch Neurodermitis genannt – betroffen. Die Erkrankung zählt zu den häufigsten chronisch entzündlichen Hautleiden und hat vielfache Folgen: Der durch AD ausgelöste starke Juckreiz und die teils großflächigen und auffälligen Hautveränderungen ziehen häufig auch die seelische Gesundheit der Betroffenen und ihrer Angehörigen in Mitleidenschaft. Daneben erhöht AD das Risiko für allergische Beschwerden wie Nahrungsmittelallergien, Asthma und allergische Nasenschleimhautentzündung.

Viele Gründe also für Privatdozent Dr. Wenming Peng, der im Team von Prof. Natalija Novak, Leiterin der Experimentellen Allergologie und Immundermatologie an der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Universitätsklinikum Bonn (UKB) arbeitet, die Erforschung der Krankheit voranzutreiben. Peng untersuchte die Haut von fast 30 Menschen mit einer diagnostizierten AD und fand dort eine bestimmte Ansammlung von antigenpräsentierenden Zellen, die zusammen mit T-Zellen und Mastzellen so genannte Leukozytencluster (Gruppen von weißen Blutkörperchen) bilden. „Diese Zellen sind im Allgemeinen dafür zuständig, das Immunsystem auf das Eindringen von Erregern oder eine ungewöhnliche Veränderung aufmerksam zu machen“, erklärt Dr. Peng seine Studienergebnisse. „Wir haben festgestellt, dass wenn sich zu viele Zellen dieser Art in der Haut nahe von Blutgefäßen gruppieren, die Hautimmunzellen mit Entzündungen und Veränderungen reagieren und sich das Hautbild als atopische Dermatitis zeigt.“

Bislang konnten solche Leukozytencluster nur bei einer Kontaktdermatitis im Mausmodell festgestellt werden – bei der AD wird durch Dr. Pengs Studie der Nachweis der Leukozytencluster zum ersten Mal geführt. Diese Erkenntnis würdigt die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DGG) nun mit der Verleihung des Deutschen Neurodermitis Nachwuchspreis 2021 und einer Prämie von 7.500 Euro.

Wenming Peng zeigt sich sehr erfreut über die Auszeichnung und betrachtet sie als zusätzlichen Ansporn für die kommenden Forschungen, zumal die bisherigen Ergebnisse Anlass für einen neuen Behandlungsansatz geben: „Wenn es Arzneimittel gäbe, die die Ansammlung von antigenrepräsentierenden Zellen in der Haut verhindern und so die Bildung der Leukozytencluster blockieren, könnten wir das Entstehen von Entzündungen bereits imn Ansatz verhindern,“ so Peng. Bis dahin sei der Weg aber noch lang: Im nächsten Schritt untersuchen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, ob aktuelle Behandlungsmöglichkeiten schon Auswirkungen auf die Bildung der Leukozytencluster in der Haut haben. Darüber hinaus wird der Beitrag anderer Zellen wie Hautnervenfasern und Mastzellen zur Bildung der Leukozytencluster untersucht.

 

Bildunterschrift: Priv.-Doz. Dr. Wenming Peng, Leiter der Studie „Infiltration and clustering of MHC-II+ antigen-presenting cells in the skin of patients with atopic dermatitis“ am UKB, zusammen mit seiner Teamleiterin Prof. Natalija Novak, leitende Oberärztin an der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am UKB und Leiterin der Experimentellen Allergologie und Immundermatologie, bei der Sichtung der Leukozytencluster aus den Hautproben der Studie.

Bildnachweis: Universitätsklinikum Bonn (UKB)/J. F. Saba