Bonn, 25. März 2021 – Darmkrebs ist in Deutschland bei Männern die zweithäufigste und bei Frauen die dritthäufigste Krebserkrankung. Zahlen, die nicht nur im Darmkrebsmonat März Aufmerksamkeit erregen sollten. Expert*innen sehen in den letzten zehn Jahren eine steigende Anzahl an Betroffenen. Auch wenn die Gründe noch erforscht werden ist bekannt, dass immer häufiger unter 50-Jährige betroffen sind. Bei 30 Prozent von ihnen sind die Gene schuld.

Der häufigste erblich bedingte Darmkrebs, ist das so genannte Lynch-Syndrom. Dabei führt bei einer von 279 Menschen eine Mutation in einem Gen, das eigentlich für die Reparatur der DNA zuständig ist, zu einem erhöhten Krebsrisiko. Allein in Deutschland leben also etwa 300.000 Anlageträger – die meisten von ihnen wissen nichts davon und nutzen vorhandene Vorsorgemaßnahmen dadurch nicht rechtzeitig. Dabei ist Darmkrebs gut behandelbar, wenn er früh erkannt wird. „Ein Risiko muss allerdings bekannt sein, daher raten wir zu Offenheit: Menschen mit Krebserkrankungen sollten mit ihrer direkten Verwandtschaft darüber sprechen, so dass diese die Vorsorgeuntersuchungen frühzeitig nutzen“, stellt Dr. Robert Hüneburg, Oberarzt an der Medizinischen Klinik und Poliklinik I und Leiter der Ambulanz für erbliche Tumorerkrankungen fest. Darüber hinaus rät der Experte all jenen zu einem Termin beim Hausarzt oder Gastroenterologen, die mehrmals Blut im Stuhl, wechselnde Stuhlkonsistenzen oder chronische Bauchschmerzen bei sich beobachtet haben.  

Sollte sich der Verdacht Darmkrebs dann erhärten, rät Prof. Christian Strassburg, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik I am UKB, zu einem Termin in der Ambulanz für erbliche Tumorerkrankungen. „Uns stehen alle modernen Formen gastroenterologischer Diagnostik und Interventionen zur Identifizierung dieser Patientengruppe zur Verfügung“, so Strassburg. Zudem können Patient*innen danach auf das ebenfalls am UKB angesiedelte Nationale Zentrum für erbliche Tumorerkrankungen (NZET) bauen. Hier wird nicht nur die erste weltweite Studie zum Nutzen von künstlicher Intelligenz bei der Darmkrebsvorsorge bei Patient*innen mit Lynch-Syndrom durchgeführt, es werden auch Patient*innen aus ganz Deutschland interdisziplinär betreut. „Wir führen gemeinsame Patientengespräche, Visiten und natürlich auch die notwendigen Operationen bei Patient*innen mit erblichen Tumorerkrankungen durch. Der große Vorteil unseres Zentrums ist diese enge, interdisziplinäre Zusammenarbeit mit kurzen Wegen und hochspezialisierten Mitarbeitern im Umfeld eines Universitätsklinikums mit allen modernen Möglichkeiten“, erläutert PD Dr. Tim Vilz, Bereichsleiter der Kolorektalchirurgie und Oberarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie.

Darüber hinaus arbeiten die UKB-Experten auch sehr eng mit Selbsthilfegruppen wie zum Beispiel „Semi-Colon“ zusammen. Nicola Reents, stellvertretende Vorsitzende von Semi-Colon sagt: „Wir als Betroffene wollen auch außerhalb des Darmkrebsmonats März das Bewusstsein für Darmkrebs und das erblich bedingte Krebsrisiko schärfen. Wir wünschen uns, dass mehr Betroffene frühzeitig diagnostiziert werden können, damit sie rechtzeitig gezielte Krebsvorsorgemöglichkeiten ergreifen können.“



Das Ergebnis einer erfolgreichen Vorsorgeuntersuchung: Mit Hilfe künstlicher Intelligenz wurde bei einem Betroffenen mit Lynch-Syndrom ein Darmpolyp – eine Vorstufe einer Krebserkrankung – gefunden und kann entfernt werden.

Bildnachweis: Universitätsklinikum Bonn (UKB)