Trainingsprogramm soll Eltern im Umgang mit der Sucht stärken

 

Die suchtartige und unkontrollierte Nutzung von Computern, Smartphones und Spielekonsolen ist unter Jugendlichen weltweit sehr stark verbreitet. Zwar sehen gerade Eltern oftmals einen Handlungsbedarf, stoßen im Kampf gegen die Internetsucht aber meistens an ihre Grenzen. Das spezielle Trainingsprogramm „ISES!“ soll betroffene Eltern in dieser Situation gezielt unterstützen und effektive Handlungsmöglichkeiten aufzeigen. Doch um das Programm bestmöglich und praxisnah zu gestalten, konzipierte das Universitätsklinikum Tübingen einen Online-Fragebogen für Eltern, der im Vorfeld Aufschluss über die täglichen Herausforderungen, Feinheiten und Auswirkungen der Internetsucht geben soll.

„Internetbezogene Störungen: Eltern stärken!“ (ISES!) ist ein Gruppentraining, das Eltern in wöchentlichen Sitzungen unter fachkundiger Leitung zu einem besseren Verständnis der Situation und zu mehr Handlungsoptionen verhilft – ohne dabei selbst auszubrennen. Bevor die ISES! Gruppentrainings jedoch im Frühjahr 2021 am Universitätsklinikum Tübingen und parallel in Kooperationszentren in Frankfurt und Heidelberg an den Start gehen können, sind die Expertinnen und Experten zunächst auf die Mitwirkung von betroffenen Eltern angewiesen, deren Kinder eine mögliche internetbezogene Störung haben: „Über die bundesweite ISES! Onlinestudie erhoffen wir uns genaue Informationen, denn die Forschung weiß einfach viel zu wenig über die Eltern von internetsüchtigen Jugendlichen – seien es Computerspieler oder Jugendliche, die in sozialen Netzwerken festhängen“, so der stellvertretende Projektleiter Dr. Kay Uwe Petersen. „Deshalb freuen wir uns sehr, wenn uns möglichst viele betroffene Eltern etwa eine halbe Stunde ihrer Zeit schenken und an der Onlinestudie teilnehmen. Dies hilft nicht nur der Forschung, sondern auch und insbesondere unserem Gruppenangebot, mit dem wir den Eltern noch zielgerichteter helfen wollen.“

Vom Land gefördert

ISES! ist das zentrale Thema des 2020 begonnenen mehrjährigen Forschungsprojekts „Untersuchung und Behandlung Angehöriger von Betroffenen mit Internet- und Computerspielsucht“. Im Rahmen der Initiative „Forum Gesundheitsstandort BW“ wird das Projekt vom Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg gefördert: „Wir arbeiten schon seit Jahren daran, das ISES!-Training in Kooperation von Erwachsenenpsychiatrie sowie Kinder- und Jugendpsychiatrie des Universitätsklinikums Tübingen zu verbessern“, berichtet Studienleiterin Dr. Isabel Brandhorst von der Kinder- und Jugendpsychiatrie. „Über die zugeteilten Forschungsmittel freuen wir uns sehr, denn sie ermöglichen uns, das Programm auf internationalem Niveau zu prüfen und bei Erfolg ein Manual als Buch zu veröffentlichen. Wir hoffen, dass ISES! bald Eltern an vielen Standorten bundesweit helfen kann.“

Auch für interessierte Eltern, die nicht in der Nähe von ISES!-Standorten wohnen, wird es eine Lösung geben: „Wir entwickeln zugleich eine internetgestützte Variante, die aber noch Zeit braucht – ich schätze im Frühjahr 2022 wird es soweit sein“, so Diplompsychologin Sara Hanke, die dem ISES!-Team angehört.

Link zur Online-Umfrage: https://www.soscisurvey.de/ises/#umfrage

Weitere Informationen und zur Studienteilnahme: https://www.medizin.uni-tuebingen.de/de/internetbezogene-stoerungen-ises

Universitätsklinikum Tübingen

Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter

www.medizin.uni-tuebingen.de

 

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